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Bell 212 - Ein Hubschraubermodell in der Jugendarbeit?

Hubschrauber werden vergleichsweise wenig gebaut, auch wenn das Angebot seit einigen Jahren als gut bezeichnet werden kann. Selbst erfahrene Modellbauer schrecken oft vor Hubschraubern zurück. Hier eine Auswahl von Gründen, die man nicht selten zu hören bekommt: "das mit den Rotoren, das ist mir alles zu kompliziert", "bei der Inneneinrichtung baut man ja immer noch ein Modell im Modell, das ist mir zu viel Arbeit" oder "Hubschrauber haben immer so viele Klarsichtteile".
An den Einwänden ist wahres dran, trotzdem soll hier die Frage aufgeworfen werden, ob es "den" geeigneten Hubschrauberbausatz für die Nachwuchsarbeit gibt. In Jugendbastelseminaren und Schulprojekten kommt die Frage "können wir nicht einmal einen Hubschrauber bauen?" meist von ganz alleine und auf die meisten Kinder und Jugendliche üben Helikopter eine große Faszination aus (man denke da z.B. an die Menschentrauben bei Landungen von Rettungshubschraubern).
Wenn man einen Hubschrauberbausatz für eine Bastelaktion auswählt sollte man jedoch bedacht vorgehen. Die Eurocopter-Reihe von Revell im Maßstab 1:32 machen zwar viel her, haben jedoch auch eine große Anzahl an Bauteilen. Hier besteht das Risiko, dass das Ende der Geduld schnell erreicht ist. Revell bietet die gleichen Typen auch in 1:72 an. Diese haben zwar weniger Teile, sind aber relativ klein und das wiederum kann in frustrierender Fusselarbeit für die jungen Bastler enden. Folglich sollte man entweder auf ein solides Modell im Maßstab 1:48 (sofern vorhanden) oder ein robustes Modell im Maßstab 1:72 mit überschaubarer Anzahl an Teilen ausweichen.
Revell brachte im Jahr 2011 die Bell 212/ UH-1N mit Markierungen für einen Zivilschutzhubschrauber im Maßstab 1:72 heraus. Maschinen dieses Typs kamen bis 2008 an den Rettungshubschrauberstationen Hamburg und Eutin zum Einsatz. Beim Bausatz handelt es sich um eine Form aus dem Hause Italeri, die etwa von 1996 stammt. Der Bausatz kommt mit rund 90 Bauteilen daher. Die Spritzlinge sind in weißem Kunststoff gespritzt, das erleichtert zwar die Lackierung im orangenen Farbton, macht sie leider aber auch unbedingt notwendig.
Der Bau beginnt mit der Inneneinrichtung. Der Besatzungsraum ist mit allen Steuerorganen sowie Passagiersitzen ausgestattet. Das macht eine nicht unerhebliche Anzahl von Kleinteilen aus, die auf Wunsch auch durch weglassen reduziert werden könnten. Leider lässt der Bausatz eine Rettungshubschrauber-Ausstattung vermissen. Aus relativ einfachen Mitteln können aber auch jugendliche, fortgeschrittene Bastler eine Patiententrage aus Kunststoff, Karton oder anderem Material herstellen, die dann quer zur Flugrichtung hinter den Pilotensitzen auf dem Kabinenboden befestig wird.
Bei der Montage der Inneneinrichtung und des Kabinenhimmels sollte auf einen sorgfältigen und korrekten Zusammenbau geachtet werden, um spätere Probleme mit der Passung der Rumpfhälften zu vermeiden. Ebenfalls sollte vorher zur Sicherheit ein kleines Gewicht (z. B. Anglerblei) in die Nase geklebt werden, um ein Überkippen des Modells auf den Schwanz zu verhindern. Da die Inneneinrichtung einen eigenen Bauabschnitt bildet, könnte man hier zur Vereinfachung anfallender Lackierarbeiten, den Jugendlichen einen Komplettüberzug in einem hell- oder mittelgrauen Farbton aus der Spraydose oder Airbrush anbieten.
Der Zusammenbau geht sonst recht problemlos von statten, dennoch sei hier noch auf zwei Dinge hingewiesen:
- Die seitlichen Kabinenfenster in den Türen sowie die Dachfenster der Piloten unbedingt von der Innenseite her einkleben, anders herum funktioniert es nicht.
- Beim Übergang des Triebwerksgehäuses zum Rumpf sind Probleme mit der Passgenauigkeit zu erwarten. Hier auf jeden Fall vorher "trocken" probieren und ggf. entgegen der Anleitung zuerst eine hälfte des Triebwerksgehäuses mit dem Rumpf verbinden und dann die andere.
Wie eingangs bereits erwähnt macht die weiße Ausfertigung der Bauteile eine Lackierung unabdingbar. Sofern es sich um ein längerfristiges Projekt mit mehreren Sitzungen handelt, wäre es eine Überlegung wert, den Rumpf mitsamt den Kufen mit der Sraydose oder gar der Airbrush zu lackieren. Das sollte aber sicherheitshalber lieber einer der Betreuer übernehmen oder zumindest umfangreich assistieren.
Die Endmontage beschränkt sich dann die Montage von Kleinteilen und natürlich der Rotoren. Beim Hauptrotor empfehle ich, diesen erst zum Schluss mit der Getriebeeinheit zu verbinden und auf die Verklebung der Welle mit der Sicherungsöse (Teil 22) zu verzichten. So bleibt der Rotor zu Transportzwecken abnehmbar und der Rotormast stört nicht bei der Lackierung. Bei den Rotorblättern stellt sich übrigens die Verarbeitung in Weiß als Vorteil heraus: Die Heckrotorblätter sowie die Oberseiten der Hauptrotorblätter waren bei zivilen Bell 212 fast immer weiß. Zur Vereinfachung der Lackierung würde es auch Sinn machen, die Antennen am Rumpf erst ganz zum Schluss anzukleben.
Der kleine Abziehbildbogen enthält nicht viele, aber dennoch alle notwendigen Markierungen für "Christoph 12" aus Eutin/ Ahrensbök in Ostholstein. Hinsichtlich der geringen Anzahl von Abziehbildern sollte der Bogen die jungen Modellbauer nicht vor allzu große Herausforderungen stellen.
Bei entsprechender "farblicher Unterstützung" durch die Betreuer kann der Nachwuchs am Ende der Aktion einen ansehnlichen Rettungshubschrauber mit nach Hause nehmen.
Sicherlich ist ein Hubschrauber weniger für eine zeitlich begrenzte Bastelstraße z.B. auf einer Ausstellung geeignet - für eine Aktion mit mehreren Terminen oder ein Schulprojekt lohnt es sich jedoch, auch mal einen Hubschrauber als Bastelobjekt in Betracht zu ziehen. Die teilnehmenden Jugendlichen sollten jedoch definitiv schon einmal mit anderen Bausätzen in Berührung gekommen sein.
Felix Troschier
www.vdpm-hannover.de
www.scale-rotors.com
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