Modellbau im Wohnheim Zietenterrassen der Göttinger Werkstätten gGmbH.


Als ich vor über einem Jahr die Idee hatte, in unserem Wohnheim eine Modellbaugruppe ins Leben zu rufen, war ich mir über die ganz speziellen Hintergründe noch gar nicht im Klaren. Zunächst einmal stand für mich der lang gehegte Wunsch, Menschen dieses faszinierende Hobby näher zu bringen, im Vordergrund.
Aber zunächst einmal zu den Hintergründen: das Wohnheim Zietenterrassen mit 45 Plätzen für Menschen mit geistiger Behinderung ist eine Einrichtung der Göttinger Werkstätten gGmbH, die im Rahmen der beruflichen und sozialen Rehabilitation für z. Zt. 640 Menschen mit geistiger oder seelischer Behinderung berufliche Bildung und Beschäftigung in verschiedenen Arbeitsfeldern anbietet und im Bereich Wohnen ca. 300 behinderte Menschen in verschiedenen Wohneinrichtungen oder der eigenen Wohnung betreut.

Ich arbeite dort als Gruppenbetreuer und als ich die Idee vortrug, solch eine Freizeitgruppe zu gründen, wurde mir zunächst einmal seitens der Einrichtung volle Unterstützung zuteil. Als ich dann daran ging unseren Bewohnern die Idee zu unterbreiten, um Interessierte zu finden, musste ich mich vor Anfragen erst einmal in Sicherheit bringen und die Anzahl der Teilnehmer auf fünf begrenzen, um überhaupt noch helfend agieren zu können.
Faktisch war von mir eine Plastikmodellbaugruppe angestrebt mit den handelsüblichen Maßstäben. Mit dem ersten Budget wurden dann alle nötigen Materialien, Verbrauchsmaterial und Farben sowie alles weitere besorgt und vorbereitet. Hier kamen dann die ersten Hindernisse zu Tage, denn wie organisiert man alles? Natürlich war auf dem Papier und im Kopf alles seit langer Hand geplant und durchdacht, aber in der Praxis musste darauf geachtet werden, dass die Werkzeuge und Arbeitsgeräte auch den Anforderungen der Teilnehmer entsprechen. Diese haben zum Teil nicht unerhebliche motorische Einschränkungen und gerade deshalb sollte darauf geachtet werden dass zum Beispiel Cuttermesser nicht zu klein und unstabil sind.

Der erste Einkauf überstieg auch nicht die 100-Euro Marke, denn es wurden nur die wirklich wichtigen Materialien gekauft, ein Hinweis für jeden, der auch eine solche Freizeitgruppe ins Auge fasst. Nach dem Startschuss wusste ich nicht, wo ich zuerst sein sollte. Bastelwut und Unsicherheit waren bunt gemischt bei den Teilnehmern. Aber schon nach kurzer Zeit, beim dritten Treffen unserer wöchentlich stattfindenden Modellbaugruppe lief alles wesentlich entspannter als noch zu Beginn.
Die Teilnehmer konnten sich recht gut anhand der Bauanleitungen orientieren und mit Klebstoff und Cuttermesser gut umgehen. Natürlich wurde so manches Teil aus Versehen mit einer Glasur aus Klebstoff überzogen oder das Cuttermesser schnitt das ab, was nicht ab sollte. Aber das ließ keinen resignieren und es ging munter weiter. Aber auch feinmotorisch und im Bereich Ausdauer und Konzentration wurden erhebliche Fortschritte erzielt, die sich bemerkbar machen. Dies alles zeigt mir unumstößlich, dass jeder der Motivation und Freude mitbringt, ohne Probleme und ohne Vorkenntnis in das Hobby einsteigen kann, gleich welche Voraussetzungen er mitbringt.

Alle Teilnehmer sehen sich berechtigterweise als Modellbauer und es sind in der nächsten Zeit auch Besuche auf Messen und Ausstellungen geplant, ein Modell unseres Wohnheimes im HO Maßstab mit allem was dazugehört, sowie eine kleine Ausstellung der Gruppe.



Marcel Ahlers,
Göttinger Werkstätten gemeinnützige GmbH